Wir sind uns mit vielen Menschen einig, daß die Institution Krieg überwunden werden muß und besonders ein Krieg mit modernen Massenvernichtungsmitteln in sich verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen ist.
Gegen alle Versuche, das gegenwärtige System der Abschreckung noch für eine Übergangszeit zu tolerieren, sagen wir schon heute nein.
Im heutigen Abschreckungssystem führt menschliches und technisches Versagen zu unübersehbaren und katastrophalen Konsequenzen.
Wir halten die These von der Begrenzbarkeit und Kontrollierbarkeit eines mit modernen ABC-Waffen geführten Krieges für falsch, da sie auf Hypothesen und subjektiven Einschätzungen beruht; selbst ein regionaler Krieg ist dort, wo er geführt wird, ein totaler.
Das Abschreckungssystem ist für uns als Instrument der Kriegsverhütung nicht akzeptierbar. Der Einsatz von modernen ABC-Waffen sowie die Herstellung, Stationierung und Drohung mit dem Einsatz sind Verbrechen gegen die Menschheit. Wir sagen nein zum anhaltenden Rüstungswettlauf, der ein Skandal ist und bekräftigen die Aussagen des II. Vatikanischen Konzils: »Der Rüstungswettlauf ist eine der schrecklichsten Wunden der Menschheit. Er schädigt unerträglich die Armen.« (Gaudium et Spes Nr. 81).
Es besteht eine moralisch untragbare Gleichzeitigkeit von immensen Militärausgaben einerseits und andererseits wachsender Verelendung, die schon heute unzähligen Menschen das Leben kostet.
In dieser Situation gibt es für uns nur eine akzeptable Möglichkeit: Die Beendigung des Rüstungswettlaufs und die Indienststellung der dafür eingesetzten Ressourcen gegen Hunger und Elend, gegen die Zerstörung von Lebensgrundlagen auf der Erde und zugunsten der Armen.
Wir sind der Überzeugung, daß für uns als Christen die Distanzierung vom System der Abschreckung und dem damit verbundenen Rüstungswettlauf geboten ist. Ein deutliches Zeichen dafür sehen wir in der Verweigerung von Kriegsdiensten aller Art, zu der wir ermutigen.
Unsere Ordensgemeinschaften und wir als einzelne sind wie fast alle Mitbürger unseres Landes schon jetzt durch bestehende Gesetze wie das Arbeitssicherstellungsgesetz und das Zivilschutzgesetz in Kriegsdienste und Vorbereitungen für den »Ernstfall« einbezogen. Tätige im Gesundheitswesen, im Katastrophenschutz, in Transport und Verkehr, Angehörige des öffentlichen Dienstes, Arbeiter und Angestellte in allen kriegsrelevanten Wirtschaftsbereichen, Zivildienstleistende, Frauen zwischen 18 und 55 Jahren sind für den Ernstfall im Rahmen der Gesamtverteidigung eingeplant.
Wir wollen nicht mehr mitwirken an der Bereitstellung von Strukturen und Mitteln, die das gegenwärtige Abschreckungssystem stützen und ermöglichen. Wir wollen darauf hinwirken, daß unsere Gebäude, Fahrzeuge oder beruflichen Kenntnisse nicht mehr für den »Ernstfall« einplanbar sind.
Wir sehen unsere Aufgabe in einer weiteren Bewußtmachung des Eingeplantseins bei uns und anderen.
Wir erklären uns solidarisch mit allen, die den Kriegs- und Zivildienst in der jetzigen Form verweigern. Wir beraten und begleiten Menschen im Verweigerungsprozeß.
Wir fordern die Umgestaltung des Zivildienstes in einen ausdrücklichen Friedensdienst.
Wir halten es für notwendig, uns mit der Militärseelsorge kritisch auseinanderzusetzen. Wir fragen an, ob deren gegenwärtige Form nicht als Billigung der Politik der Abschreckung aufgefaßt werden kann. Wir wollen mitwirken an der Erarbeitung von Alternativen zum heutigen System der Abschreckung. Insbesondere wollen wir uns tatkräftig für die Entwicklung und Verbreitung von gewaltfreien Methoden der Konfliktlösung einsetzen (z.B. Abbau von Feindbildern, Versöhnung und Verständigung, Vertrauensbildung) sowie von sozialen Verteidigungskonzepten.